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Alle Kosten auf dem Tisch: Die ehrliche Vollkostenliste

Die meisten Automaten-Rechnungen im Internet scheitern nicht an falschen Zahlen, sondern an fehlenden Zeilen: Strom wird geschätzt, Fahrt vergessen, Schwund ignoriert, die eigene Zeit gar nicht erst erwähnt. Diese Lektion ist die vollständige Kostenliste – jede Position, die im Betrieb real auftaucht. Damit rechnest du in den nächsten Lektionen Szenarien, denen du trauen kannst.

Block 1: Einmalkosten (der Start)

PositionTypischAnmerkung
Automat (vollausgestattet)5.900 €inkl. Kartenzahlung, Münzwechsler, Scheinleser, Altersprüfung – Kauf vs. Finanzierung in der nächsten Lektion
Lieferungoft inklusivesonst Speditionskosten einplanen
Erstbefüllung300–500 €plus Pfand als Durchlaufposten
Wechselgeld-Grundstock50–150 €Münzwechsler gefüllt halten
Grundausstattung< 50 €Werkzeug, Beutel, Regal, Glasreiniger
ggf. AußenaufstellungWetterschutzdach + Verankerungnur bei Outdoor-Standorten

Block 2: Laufende Fixkosten (jeden Monat, unabhängig vom Umsatz)

PositionTypisch/MonatAnmerkung
Kartenzahlung (Servicepauschale)~14 €plus Transaktionsgebühr (Block 3)
Strom40–75 € innen · 90 €+ außen im Sommerreal gerechnet, siehe unten
Wartungs-/Ersatzteil-Rücklage~20 €zur Seite legen, nicht ausgeben
Versicherungab ~10 €eigene Lektion dazu
Finanzierungsrate~123 € (falls finanziert)entfällt bei Barkauf
Standortkosten0 € bis dreistelligStrompauschale/Beteiligung/Miete – je nach Vereinbarung

Strom: warum 20 € eine Milchmädchenzahl ist

Ein Kühlautomat wie der PV1100 zieht bis zu 750 Watt, wenn der Kompressor läuft – und wie oft er läuft, entscheidet die Umgebung. Die Rechnung: 0,75 kW × Laufzeitanteil × 24 h × 30 Tage × Strompreis. Bei typischen 30 % Kompressor-Laufzeit im Innenraum und 0,30–0,40 €/kWh landest du bei rund 50–65 €/Monat; im kühlen Flur weniger, am warmen Standort mehr, draußen im Hochsommer auch dreistellig. Die „20 € Strom", die durch viele Internet-Rechnungen geistern, sind fast immer zu niedrig – kalkuliere ehrlich, und kläre mit dem Standortgeber eine faire Strompauschale, die diese Realität abdeckt.

Block 3: Variable Kosten (wachsen mit dem Umsatz)

Block 4: Die versteckten Kosten (die keiner rechnet)

  1. 1

    Fahrtkosten: Realistisch ~0,35 €/km. Ein Standort 15 km entfernt, 6 Fahrten im Monat = über 60 € – so wird ein „guter" Standort rechnerisch schlecht. Deshalb ist Fahrzeit ein hartes Standortkriterium.

  2. 2

    Deine Arbeitszeit: 1-1-1-Regel = ~13 Stunden im Monat pro Automat. Sie kostet kein Geld, aber sie ist der Maßstab, an dem sich dein Gewinn messen lassen muss – als Stundenlohn.

  3. 3

    Ausfalltage: Ein Automat, der drei Tage leer oder gestört steht, verkauft drei Tage nichts. Ausfalltage sind unsichtbare Kosten – deshalb gehören sie in dein Kennzahlen-Cockpit.

  4. 4

    Buchhaltung/Kleinkram: Kontoführung, ggf. Steuerberatung, Gewerbeanmeldung einmalig – klein, aber real (Details im Recht-Modul).

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Kostenblöcke: Einmal, fix, variabel, versteckt – wer alle vier auf dem Tisch hat, wird nicht mehr überrascht.

  • Strom real rechnen: 40–75 €+ statt Wunschdenken – 750 W Anschlussleistung sind kein Kühlschrank.

  • Fahrtkosten und Ausfalltage sind die meistvergessenen Zeilen – beide steuerst du über Standortwahl und Betrieb.

  • Deine Arbeitszeit (13 Std./Monat) ist der Maßstab: Am Ende zählt der Stundenlohn, nicht der Umsatz.

Häufige Fragen

Was davon kann ich von der Steuer absetzen?

Als Gewerbetreibender grundsätzlich alle betrieblichen Kosten – Gerät (über Abschreibung bzw. je nach Konstellation), Ware, Fahrten, Gebühren, Versicherung. Die Systematik dazu gehört ins Recht-Modul; wichtig hier: Belege von Tag eins sauber sammeln.

Welche Rücklage ist realistisch – geht nicht auch ohne?

Es geht so lange ohne, bis der erste Münzwechsler-Defekt oder ein Ersatzmotor fällig ist – dann reißt es ein Loch in die Monatsrechnung. 20 €/Monat zur Seite gelegt fangen fast alle normalen Reparaturen ab; was übrig bleibt, ist am Jahresende dein Puffer.

Mein Standortgeber will eine Strompauschale – wie viel ist fair?

So viel, dass sie den echten Verbrauch deckt und ihm ein kleines Plus lässt – bei Innenaufstellung also eher 50–80 € als 20 €. Eine ehrlich kalkulierte Pauschale erspart dir die Diskussion beim nächsten Stromkosten-Anstieg und ist ein starkes Argument im Standortgespräch.

Gilt die Liste auch für andere Automaten als den PV1100?

Die Blöcke ja, die Beträge im Detail nein – ältere Geräte verbrauchen oft deutlich mehr Strom, und bei Gebrauchtgeräten kommen Aufbereitungs- und Nachrüstkosten dazu. Genau das rechnet die Lektion Neu oder gebraucht durch.