Die Wirtschaftlichkeitsrechnung Schritt für Schritt
Die 15-Minuten-Rechnung war der Schnelltest – das hier ist das vollständige Werkzeug. Mit dieser Rechenstrecke bewertest du jeden Standort, jede Konditionsverhandlung und jede Investitionsentscheidung. Einmal verstanden, rechnest du jedes Szenario in fünf Minuten selbst.
Die Rechenstrecke: sechs Schritte
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Umsatz = Verkäufe/Tag × Ø-Bon × Betriebstage (30 bei 24/7-Zugang, sonst real – ein Büro hat ~22 Werktage!)
- 2
− Wareneinsatz (Planungsgröße 50 %)
- 3
− Zahlungsgebühren (~14 € Pauschale + ~2,4 % vom Umsatz)
- 4
− Betriebsfixkosten (Strom real, Rücklage, Versicherung: ~85 €/Monat innen)
- 5
− Standortkosten (0 €, Pauschale oder Beteiligung – je nach Vereinbarung)
- 6
− Finanzierungsrate (~123 € vollausgestattet; beim Barkauf stattdessen die Amortisation im Blick behalten)
= Cashflow pro Monat – und geteilt durch ~13 Stunden (1-1-1-Regel) dein Stundenlohn.
Die meistvergessene Zeile: Liegt der Standort nicht ohnehin auf deinen Alltagswegen, gehören Fahrtkosten (~0,35 €/km Vollkosten × deine Touren) als eigene Position dazu – warum gerade sie so oft fehlt. Unsere Szenarien unten rechnen mit Standorten auf dem Alltagsweg.
Drei Szenarien, komplett durchgerechnet
Annahmen: Ø-Bon 2,50 €, 30 Betriebstage, keine Standortkosten, finanziert:
| Schwach (8/Tag) | Solide (13/Tag) | Stark (20/Tag) | |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 600 € | 975 € | 1.500 € |
| − Ware (50 %) | −300 € | −488 € | −750 € |
| − Zahlungsgebühren | −28 € | −37 € | −50 € |
| − Strom/Rücklage/Vers. | −85 € | −85 € | −85 € |
| − Rate | −123 € | −123 € | −123 € |
| Cashflow/Monat | +64 € | +242 € | +492 € |
| ≈ Stundenlohn | 5 € | 19 € | 38 € |
Die drei Spalten erzählen die ganze Wahrheit des Geschäfts:
Schwach (8/Tag): Der Automat trägt sich – aber du arbeitest für 5 €/Stunde. Das ist der Zustand, in dem frustrierte Betreiber landen, die den Standort nicht geprüft haben.
Solide (13/Tag): Ordentliches Nebeneinkommen, fairer Stundenlohn. Das ist die realistische Zielmarke für einen gut gewählten Einsteiger-Standort.
Stark (20/Tag): Jetzt wird es ein Geschäft – und der Moment, über Automat Nr. 2 nachzudenken.
Break-even: Fixblock (14 + 85 + 123 = 222 €) ÷ Deckungsbeitrag je Verkauf. Der Deckungsbeitrag ist das, was dir ein einzelner Verkauf nach Ware und Gebühren lässt: 2,50 € Bon − 1,25 € Ware (50 %) − 0,06 € Transaktionsgebühr ≈ 1,19 €. Also: 222 ÷ 1,19 ≈ 187 Verkäufe/Monat ≈ gut 6 Verkäufe am Tag. Alles darunter kostet dich Geld, alles knapp darüber nur Zeit.
Die Sensitivität: welche Stellschraube wie stark wirkt
Nimm das solide Szenario (13/Tag, +242 €) und drehe je eine Schraube:
| Stellschraube | Neuer Cashflow | Hebel |
|---|---|---|
| Wareneinsatz 40 % statt 50 % (guter Einkauf!) | +340 € | ⬆ stark |
| Wareneinsatz 55 % (schlechter Einkauf) | +193 € | ⬇ spürbar |
| Ø-Bon 3,00 € statt 2,50 € (Preispflege) | +335 € | ⬆ stark |
| 10 % Umsatzbeteiligung an Standortgeber | +145 € | ⬇ stark |
| 100 € Standortmiete | +142 € | ⬇ stark |
| Barkauf statt Rate | +365 € | ⬆ (aber 5.900 € gebunden) |
Drei Lehren daraus: Einkauf und Preise sind deine stärksten eigenen Hebel (Modul 2 verdient hier bares Geld). Standortkosten sind der gefährlichste fremde Hebel – eine unbedachte Beteiligungszusage kostet mehr als jeder Einkaufsfehler. Und: Kein Hebel ersetzt Verkäufe – zwischen 8 und 13 pro Tag liegen Welten, und die entscheidet der Standort.
Amortisation beim Barkauf
Beim Barkauf (5.900 €) ersetzt die Amortisationsfrage die Rate: Cashflow ohne Rate im soliden Szenario ≈ 365 €/Monat → das Gerät hat sich im Rechenbeispiel nach etwa anderthalb Jahren verdient; im starken Szenario deutlich schneller, im schwachen dauert es lange. Genau deshalb gilt die Reihenfolge des Realitätschecks: erst der Standort, dann die Investition.
Das Wichtigste auf einen Blick
Sechs Schritte: Umsatz − Ware − Gebühren − Fixkosten − Standortkosten − Rate = Cashflow → ÷ 13 Std. = Stundenlohn.
Drei Szenarien rechnen, am vorsichtigen entscheiden – Break-even liegt bei gut 6 Verkäufen/Tag, „lohnend" beginnt zweistellig.
Stärkste eigene Hebel: Wareneinsatz und Ø-Bon; gefährlichster fremder Hebel: Standortkosten.
Betriebstage ehrlich ansetzen (Büro ≈ 22, nicht 30!).
Jede Rate und jede Beteiligung in nötige Verkäufe pro Tag übersetzen – das ist die Sprache, in der du entscheidest.
Häufige Fragen
Mit welchem Ø-Bon soll ich rechnen?
Konservativ mit dem Preis eines einzelnen Standardprodukts (2,50 €). Real liegt der Bon oft höher (zwei Artikel, teurere Produkte) – aber das soll dein Ergebnis verbessern, nicht deine Planung schönen.
Wie berücksichtige ich Bargeld- vs. Kartenzahlung?
Wir rechnen die Transaktionsgebühr konservativ auf den ganzen Umsatz – real zahlst du sie nur auf Kartenumsätze. Auch hier gilt: Die Vereinfachung arbeitet gegen dich, nicht für dich.
Was ist mit meinem Warenlager und der Erstbefüllung?
Das ist gebundenes Kapital (Einmalkosten), kein monatlicher Aufwand – es taucht in der Monatsrechnung nicht auf, gehört aber in deine Startkapital-Planung und in den Mini-Businessplan.
Ab wann rechne ich mit echten statt geplanten Zahlen?
Ab Woche vier hast du erste belastbare Daten, nach drei Monaten ein ehrliches Bild. Dann ersetzt du Annahme für Annahme durch Realität – dein Kennzahlen-Cockpit macht daraus eine Zehn-Minuten-Routine.