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Kapital- und Zeitbedarf: Was du wirklich brauchst

Bevor du auch nur einen Standort suchst, brauchst du zwei ehrliche Zahlen: wie viel Geld dich der Start wirklich kostet – und wie viel Zeit der Betrieb jede Woche verlangt. Beides ist gut planbar, aber beides wird von Einsteigern regelmäßig unterschätzt. Diese Lektion gibt dir die vollständige Liste.

Das Startkapital: die vollständige Liste

Die meisten rechnen nur den Automaten. Real besteht dein Start aus fünf Positionen:

PositionBetrag (ca.)Wofür
Automatab 4.989 € netto (Einstieg, inkl. Lieferung) · 5.900 € netto vollausgestattetVollausstattung = Kartenzahlung, Münzwechsler, Scheinleser, Altersprüfung ab Werk – dazu gleich mehr
Erstbefüllung300–500 €je nach Sortiment; ein großer Kombiautomat fasst über 1.000 Artikel (PV1100: bis zu 1.020) – voll bestückt wirkt er am einladendsten
Wechselgeld50–150 €Münzwechsler befüllen – Faustregel: mindestens 15 Münzen je Sorte, besser voll
Grundausstattungunter 50 €Schraubendreher, Maulschlüsselsatz, Glasreiniger, Wechselgeldbeutel, Baumarktregal fürs Lager – mehr braucht es nicht
Warenpuffer200–300 €damit du die ersten Wochen nachfüllen kannst, ohne sofort neu zu kalkulieren

Realistisch bist du beim Kauf also mit rund 6.500–7.000 € netto dabei – nicht nur mit dem Gerätepreis. Dazu kommt auf Einweggetränke das Pfand im Einkauf (0,25 €/Stück), das du beim Verkauf wieder einnimmst – ein Durchlaufposten, keine echte Kostenposition.

Warum „vollausgestattet" die ehrlichere Rechnung ist

Ein Automat ohne Kartenzahlung ist heute keine Option mehr – laut Branchenverband BDV läuft bereits über die Hälfte aller Automaten-Transaktionen in Deutschland bargeldlos, Tendenz steigend. Wer ein nacktes Gerät kauft, rüstet später teuer nach (Terminal, Einbau, Freischaltung). Deshalb rechnen wir in der ganzen Academy mit dem vollausgestatteten Gerät – das ist der Preis, der dich wirklich betriebsbereit macht.

Kaufen oder finanzieren?

Du musst die Summe nicht auf einmal stemmen: Über Leasing/Finanzierung startest du mit dem vollausgestatteten Gerät ab ca. 123 €/Monat (Laufzeiten 24–60 Monate; Einstiegsvariante ab ca. 104 €/Monat). Das verschiebt den Kapitalbedarf in die Monatsrechnung – wie sich das auf deinen Gewinn auswirkt, rechnest du im Kosten-Modul durch. Faustregel: Mit Finanzierung brauchst du zum Start nur noch Erstbefüllung, Wechselgeld und Puffer – rund 600–1.000 € plus die laufende Rate.

Die laufenden Kosten: was jeden Monat anfällt

Ein Vorgeschmack auf das Kosten-Modul – diese Positionen laufen immer mit:

  • Wareneinsatz: kalkuliere konservativ mit ~50 % vom Umsatz. Einzelne Produkte schaffen deutlich bessere Margen – aber Schwund, MHD-Abschriften und Preisaktionen holen sich ihren Anteil.

  • Kartenzahlung: eine kleine Monatspauschale (ca. 14 €) plus ca. 2,3–2,5 % Transaktionsgebühr auf Kartenumsätze.

  • Strom: real gerechnet 40–75 €/Monat bei Innenaufstellung, im Hochsommer draußen auch 90 €+ – ein Kühlautomat zieht bis 750 Watt, wenn der Kompressor läuft. (Die 20 €, die in vielen Rechnungen im Netz stehen, sind zu niedrig.)

  • Rücklage für Wartung/Ersatzteile: ~20 €/Monat zur Seite legen – nicht weil ständig etwas kaputtgeht, sondern damit ein Verschleißteil dich nie kalt erwischt.

  • Versicherung: ab ~10 €/Monat je nach Umfang.

  • Gegebenenfalls Standortkosten: Strompauschale oder Umsatzbeteiligung an den Standortgeber – wie du das fair verhandelst, kennst du nach dem Standort-Modul.

Der Zeitbedarf: die 1-1-1-Regel

Aus unserer eigenen Aufstellerpraxis stammt die einfachste Formel, die du dir merken solltest – pro Automat und Woche:

1 Stunde Einkauf + 1 Stunde Büro + 1 Stunde am Automaten.

  • 1 Stunde Einkauf: Angebote vergleichen, Ware besorgen (am Anfang Discounter-Angebote, später Großgebinde).

  • 1 Stunde Büro: Verkaufszahlen anschauen, Einkaufsliste, Abrechnung, Belege ablegen.

  • 1 Stunde am Automaten: auffüllen, Kasse leeren, kontrollieren, sauber halten.

Drei Stunden pro Woche klingen wenig – aber sie fallen jede Woche an, auch bei Regen, auch im Urlaubsmonat. Ein stark laufender Standort will 2–3 Besuche pro Woche, ein normaler 1–2; mindestens einmal pro Woche solltest du jeden Standort sehen – schon wegen Sauberkeit, Vandalismus-Check und dem Umfeld. Der Trick erfahrener Betreiber: Die Tour in Alltagswege einbauen (nach der Arbeit, auf dem Weg zum Sport) – dann ist es kein Umweg, sondern Routine.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Startkapital komplett: ~6.500–7.000 € netto beim Kauf (Gerät vollausgestattet + Erstbefüllung + Wechselgeld + Ausstattung + Puffer) – oder ab ~123 €/Monat finanziert plus ~600–1.000 € Startkosten.

  • Vollausstattung (Kartenzahlung ab Werk) ist die ehrliche Rechenbasis – Nachrüsten kommt teurer.

  • Laufend: Ware ~50 %, Kartengebühren, Strom real 40–75 €+, Rücklage, Versicherung.

  • Zeit: 1-1-1-Regel – 3 Stunden pro Woche und Automat, jede Woche, mindestens ein Standortbesuch.

  • Pfand ist ein Durchlaufposten – kein Verlust, solange du es auf den Preis aufschlägst.

Häufige Fragen

Kann ich mit einem gebrauchten Automaten günstiger starten?

Beim reinen Kaufpreis manchmal ja – alte, einfach ausgestattete Gebrauchtgeräte gibt es günstig. Aber ohne Kartenzahlung, ohne Gewährleistung und mit offener Ersatzteilfrage wird „günstig" schnell teuer. Den ehrlichen Gesamtkosten-Vergleich Neu vs. Gebraucht machen wir ausführlich in der Lektion Neu oder gebraucht im Kosten-Modul.

Geht das nebenberuflich?

Ja – genau dafür ist die 1-1-1-Regel gedacht: 3 Stunden pro Woche und Automat sind neben einem Vollzeitjob machbar, wenn du die Touren in deine Alltagswege legst. Was nicht funktioniert: den Automaten wochenlang sich selbst überlassen.

Wie schnell habe ich den Automaten „wieder drin"?

Das hängt fast ausschließlich vom Standort ab – seriös lässt sich das nur als Szenario rechnen, nicht versprechen. Genau das machst du in der 15-Minuten-Rechnung und ausführlich im Kosten-Modul.

Muss ich Ware auf Vorrat kaufen?

Am Anfang bewusst wenig – erst nach ein paar Wochen weißt du, was dein Standort wirklich zieht. Danach hältst du sinnvollerweise etwa vier Wochen Vorrat: trocken, dunkel, in der Umverpackung, ein einfaches Regal reicht.