Die 15-Minuten-Rechnung: Lohnt sich das für dich?
Bevor du einen Cent ausgibst, beantwortest du dir eine einzige Frage: Wie viele Verkäufe pro Tag braucht dein Automat, damit sich das Ganze für dich lohnt – und ist dieser Standort realistisch in der Lage, sie zu liefern? Genau das rechnest du hier aus, in 15 Minuten, mit Stift und Papier oder einer Tabellenzeile.
Die Rechenstrecke: sechs Zeilen
So einfach ist die Grundlogik – wir rechnen sie gleich zweimal durch:
- 1
Umsatz = Verkäufe/Tag × Ø-Bon × 30 Tage
- 2
− Wareneinsatz (konservativ 50 % vom Umsatz)
- 3
− Kartenzahlung (~14 € Pauschale + ~2,4 % vom Umsatz)
- 4
− Strom, Rücklage, Versicherung (real gerechnet: ~85 €/Monat innen)
- 5
− Finanzierungsrate (vollausgestattetes Gerät: ~123 €/Monat)
- 6
= Das bleibt dir – und geteilt durch deine Arbeitszeit: dein Stundenlohn
Für die Arbeitszeit nimmst du die 1-1-1-Regel: 3 Stunden pro Woche ≈ 13 Stunden im Monat.
Szenario 1: der vorsichtige Fall — 10 Verkäufe am Tag
Ø-Bon 2,50 € (eine Dose, ein Riegel – typischer Einzelkauf):
| Umsatz (10 × 2,50 € × 30) | 750 € |
| − Wareneinsatz (50 %) | −375 € |
| − Kartenzahlung (14 € + 2,4 %) | −32 € |
| − Strom, Rücklage, Versicherung | −85 € |
| − Finanzierungsrate | −123 € |
| Bleibt | ≈ 135 €/Monat |
| ÷ 13 Stunden | ≈ 10 €/Stunde |
Das ist die Zahl, die dir kein Verkäufer zeigt: Bei 10 Verkäufen am Tag arbeitest du unter Mindestlohn. Der Automat trägt sich – die Kosten inklusive Rate sind ab etwa 6–7 Verkäufen pro Tag gedeckt – aber du verdienst fast nichts. Ein Automat bei 10 Verkäufen/Tag ist kein Geschäft, sondern ein Hobby, das sich selbst bezahlt.
Szenario 2: der realistische gute Fall — 15 Verkäufe am Tag
| Umsatz (15 × 2,50 € × 30) | 1.125 € |
| − Wareneinsatz (50 %) | −563 € |
| − Kartenzahlung (14 € + 2,4 %) | −41 € |
| − Strom, Rücklage, Versicherung | −85 € |
| − Finanzierungsrate | −123 € |
| Bleibt | ≈ 313 €/Monat |
| ÷ 13 Stunden | ≈ 24 €/Stunde |
Fünf Verkäufe am Tag mehr – und aus 10 €/Stunde werden 24 €/Stunde. Das ist der ganze Realitätscheck in einem Satz: Zwischen „lohnt kaum" und „ordentliches Nebeneinkommen" liegen am Automaten wenige Verkäufe pro Tag – und die entscheidet fast allein der Standort. Nicht das Gerät, nicht das Sortiment-Feintuning, nicht die App: der Standort.
Zur Einordnung: Über alle Automatentypen in Deutschland werden im Branchenschnitt rund 19 Verkäufe pro Tag und Gerät gemacht (12 Mio. Verkäufe täglich aus rund 621.000 Automaten – BDV-Marktzahlen; darin dominieren allerdings Kaffeeautomaten in Betrieben). Für einen Snack-/Kombiautomaten ist die Spanne 10–15 Verkäufe/Tag eine ehrliche Einsteiger-Erwartung an einem ordentlichen Standort – gute Standorte liegen darüber, schwache spürbar darunter.
Und jetzt: die Brücke zur Standortfrage
Deine Rechnung liefert dir eine Mindestzahl („ich brauche mindestens X Verkäufe/Tag"). Das Standort-Modul liefert dir die Erwartungszahl für einen konkreten Platz (die Realitätsrechnung aus Kontakten, Sichtbarkeit und Kaufquote). Die Entscheidungsregel der ganzen Academy passt in eine Zeile:
Erwartete Verkäufe ≥ nötige Verkäufe – sonst nicht aufstellen.
Wenn deine 15 Minuten hier ergeben: „Ich bräuchte 20 Verkäufe am Tag, damit sich das für mich lohnt" – dann weißt du jetzt, welche Frage du an jeden Standort stellen musst, bevor du unterschreibst.
Das Wichtigste auf einen Blick
Sechs Zeilen reichen: Umsatz − Ware − Gebühren − Betriebskosten − Rate = Rest, geteilt durch 13 Stunden = dein Stundenlohn.
10 Verkäufe/Tag ≈ 10 €/Stunde. 15 Verkäufe/Tag ≈ 24 €/Stunde. Wenige Verkäufe entscheiden alles – deshalb entscheidet der Standort alles.
Kostendeckung inkl. Rate ab ~6–7 Verkäufen/Tag – aber Kostendeckung ist kein Geschäft.
Die Entscheidungsregel: erwartete Verkäufe ≥ nötige Verkäufe, sonst nicht aufstellen.
Jede Zahl ist ersetzbar – die Logik bleibt. Die Voll-Kalkulation mit allen Stellschrauben folgt im Kosten-Modul.
Häufige Fragen
Warum 50 % Wareneinsatz – einzelne Produkte haben doch viel bessere Margen?
Stimmt: Ein Schokoriegel für 3 € mit unter 0,60 € Einkauf liegt weit besser. Aber über das ganze Sortiment holen sich Schwund, MHD-Abschriften, Aktionspreise und die margenschwächeren Getränke ihren Anteil. 50 % ist die konservative Planungsgröße – wer sauber einkauft und sein Sortiment pflegt, drückt die Quote spürbar Richtung 40 %. Rechne beim Planen mit 50 % und freu dich, wenn du besser bist.
Was ist mit Steuern?
Die Rechnung ist vor Einkommensteuer und im Kleinunternehmer-Modell (keine Umsatzsteuer-Abführung). Was das bedeutet, wann die Regelbesteuerung greift und warum sie die Rechnung verändert, behandelt das Recht-Modul ausführlich.
Was, wenn der Standortgeber eine Beteiligung will?
Dann kommt sie als zusätzliche Zeile in deine Rechnung – und du siehst sofort, ob der Standort sie verträgt. Genau deshalb rechnest du, bevor du verhandelst.
Mein Ergebnis ist ernüchternd – heißt das, Vending lohnt sich nicht?
Es heißt, dass sich dieser gedachte Standort mit diesen Annahmen nicht lohnt. Die Spanne zwischen Automaten ist riesig – ein starker Standort verdient ein Vielfaches eines schwachen. Die richtige Reaktion auf eine ernüchternde Rechnung ist nicht Aufgeben, sondern: bessere Standorte suchen – und genau das lernst du im nächsten Modul.