Pulse Vending
Lektion 3 von 4ca. 4 Min. Lesezeit

Die 15-Minuten-Rechnung: Lohnt sich das für dich?

Bevor du einen Cent ausgibst, beantwortest du dir eine einzige Frage: Wie viele Verkäufe pro Tag braucht dein Automat, damit sich das Ganze für dich lohnt – und ist dieser Standort realistisch in der Lage, sie zu liefern? Genau das rechnest du hier aus, in 15 Minuten, mit Stift und Papier oder einer Tabellenzeile.

Die Rechenstrecke: sechs Zeilen

So einfach ist die Grundlogik – wir rechnen sie gleich zweimal durch:

  1. 1

    Umsatz = Verkäufe/Tag × Ø-Bon × 30 Tage

  2. 2

    − Wareneinsatz (konservativ 50 % vom Umsatz)

  3. 3

    − Kartenzahlung (~14 € Pauschale + ~2,4 % vom Umsatz)

  4. 4

    − Strom, Rücklage, Versicherung (real gerechnet: ~85 €/Monat innen)

  5. 5

    − Finanzierungsrate (vollausgestattetes Gerät: ~123 €/Monat)

  6. 6

    = Das bleibt dir – und geteilt durch deine Arbeitszeit: dein Stundenlohn

Für die Arbeitszeit nimmst du die 1-1-1-Regel: 3 Stunden pro Woche ≈ 13 Stunden im Monat.

Szenario 1: der vorsichtige Fall — 10 Verkäufe am Tag

Ø-Bon 2,50 € (eine Dose, ein Riegel – typischer Einzelkauf):

Umsatz (10 × 2,50 € × 30)750 €
− Wareneinsatz (50 %)−375 €
− Kartenzahlung (14 € + 2,4 %)−32 €
− Strom, Rücklage, Versicherung−85 €
− Finanzierungsrate−123 €
Bleibt≈ 135 €/Monat
÷ 13 Stunden≈ 10 €/Stunde

Das ist die Zahl, die dir kein Verkäufer zeigt: Bei 10 Verkäufen am Tag arbeitest du unter Mindestlohn. Der Automat trägt sich – die Kosten inklusive Rate sind ab etwa 6–7 Verkäufen pro Tag gedeckt – aber du verdienst fast nichts. Ein Automat bei 10 Verkäufen/Tag ist kein Geschäft, sondern ein Hobby, das sich selbst bezahlt.

Szenario 2: der realistische gute Fall — 15 Verkäufe am Tag

Umsatz (15 × 2,50 € × 30)1.125 €
− Wareneinsatz (50 %)−563 €
− Kartenzahlung (14 € + 2,4 %)−41 €
− Strom, Rücklage, Versicherung−85 €
− Finanzierungsrate−123 €
Bleibt≈ 313 €/Monat
÷ 13 Stunden≈ 24 €/Stunde

Fünf Verkäufe am Tag mehr – und aus 10 €/Stunde werden 24 €/Stunde. Das ist der ganze Realitätscheck in einem Satz: Zwischen „lohnt kaum" und „ordentliches Nebeneinkommen" liegen am Automaten wenige Verkäufe pro Tag – und die entscheidet fast allein der Standort. Nicht das Gerät, nicht das Sortiment-Feintuning, nicht die App: der Standort.

Zur Einordnung: Über alle Automatentypen in Deutschland werden im Branchenschnitt rund 19 Verkäufe pro Tag und Gerät gemacht (12 Mio. Verkäufe täglich aus rund 621.000 Automaten – BDV-Marktzahlen; darin dominieren allerdings Kaffeeautomaten in Betrieben). Für einen Snack-/Kombiautomaten ist die Spanne 10–15 Verkäufe/Tag eine ehrliche Einsteiger-Erwartung an einem ordentlichen Standort – gute Standorte liegen darüber, schwache spürbar darunter.

Und jetzt: die Brücke zur Standortfrage

Deine Rechnung liefert dir eine Mindestzahl („ich brauche mindestens X Verkäufe/Tag"). Das Standort-Modul liefert dir die Erwartungszahl für einen konkreten Platz (die Realitätsrechnung aus Kontakten, Sichtbarkeit und Kaufquote). Die Entscheidungsregel der ganzen Academy passt in eine Zeile:

Erwartete Verkäufe ≥ nötige Verkäufe – sonst nicht aufstellen.

Wenn deine 15 Minuten hier ergeben: „Ich bräuchte 20 Verkäufe am Tag, damit sich das für mich lohnt" – dann weißt du jetzt, welche Frage du an jeden Standort stellen musst, bevor du unterschreibst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sechs Zeilen reichen: Umsatz − Ware − Gebühren − Betriebskosten − Rate = Rest, geteilt durch 13 Stunden = dein Stundenlohn.

  • 10 Verkäufe/Tag ≈ 10 €/Stunde. 15 Verkäufe/Tag ≈ 24 €/Stunde. Wenige Verkäufe entscheiden alles – deshalb entscheidet der Standort alles.

  • Kostendeckung inkl. Rate ab ~6–7 Verkäufen/Tag – aber Kostendeckung ist kein Geschäft.

  • Die Entscheidungsregel: erwartete Verkäufe ≥ nötige Verkäufe, sonst nicht aufstellen.

  • Jede Zahl ist ersetzbar – die Logik bleibt. Die Voll-Kalkulation mit allen Stellschrauben folgt im Kosten-Modul.

Häufige Fragen

Warum 50 % Wareneinsatz – einzelne Produkte haben doch viel bessere Margen?

Stimmt: Ein Schokoriegel für 3 € mit unter 0,60 € Einkauf liegt weit besser. Aber über das ganze Sortiment holen sich Schwund, MHD-Abschriften, Aktionspreise und die margenschwächeren Getränke ihren Anteil. 50 % ist die konservative Planungsgröße – wer sauber einkauft und sein Sortiment pflegt, drückt die Quote spürbar Richtung 40 %. Rechne beim Planen mit 50 % und freu dich, wenn du besser bist.

Was ist mit Steuern?

Die Rechnung ist vor Einkommensteuer und im Kleinunternehmer-Modell (keine Umsatzsteuer-Abführung). Was das bedeutet, wann die Regelbesteuerung greift und warum sie die Rechnung verändert, behandelt das Recht-Modul ausführlich.

Was, wenn der Standortgeber eine Beteiligung will?

Dann kommt sie als zusätzliche Zeile in deine Rechnung – und du siehst sofort, ob der Standort sie verträgt. Genau deshalb rechnest du, bevor du verhandelst.

Mein Ergebnis ist ernüchternd – heißt das, Vending lohnt sich nicht?

Es heißt, dass sich dieser gedachte Standort mit diesen Annahmen nicht lohnt. Die Spanne zwischen Automaten ist riesig – ein starker Standort verdient ein Vielfaches eines schwachen. Die richtige Reaktion auf eine ernüchternde Rechnung ist nicht Aufgeben, sondern: bessere Standorte suchen – und genau das lernst du im nächsten Modul.