MHD-Management & Lager: Nichts wegwerfen müssen
Abgeschriebene Ware ist die leiseste Margenvernichtung im Automatengeschäft: Sie taucht in keiner Verkaufsstatistik auf – sie fehlt einfach am Monatsende. Dabei ist MHD-Management keine Wissenschaft, sondern eine Gewohnheit von zehn Minuten pro Woche. So baust du sie auf.
Das MHD-System: eine Liste, eine Regel
Die Liste: Ab dem ersten Einkauf führst du eine simple Tabelle (Excel reicht völlig): Produkt, Menge, EK, MHD. Jeder Einkauf kommt rein, jede Befüllung wird abgehakt. Damit siehst du auf einen Blick, was in den nächsten Wochen „reif" wird – ohne jede Packung im Lager umzudrehen.
Die Regel: FIFO – First in, first out. Beim Befüllen kommt neue Ware hinter die alte in die Spirale, nicht davor. Klingt banal, wird aber unter Zeitdruck ständig falsch gemacht – und dann verkauft der Automat die frische Ware, während die ältere hinten abläuft.
Läuft etwas aufs MHD zu: Rabattaktion statt Mülltonne. Ein Aktionspreis kurz vor Ablauf rettet dir den Wareneinsatz und macht Kunden Freude. Nur eines ist tabu, ohne jede Ausnahme: abgelaufene Ware verkaufen. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Fall für Bußgeld und Standort-Rauswurf – und bei einem einzigen verärgerten Kunden auch ein Reputationsproblem.
Richtig lagern: einfacher als gedacht
Für ein bis eine Handvoll Automaten brauchst du kein Lager – du brauchst eine trockene, dunkle Ecke:
Trocken und dunkel: Abstellkammer oder ein Platz in der Wohnung, wo auch andere Lebensmittel lagern. Nicht der feuchte Keller, nicht die feuchte Garage – Kartons ziehen Feuchtigkeit, Schokolade mag keine Temperaturschwankungen.
Ein einfaches Regal aus dem Baumarkt, sortiert nach Produkttyp – mehr Infrastruktur ist es nicht.
In der Umverpackung lassen: Großgebinde bleiben zu, bis sie gebraucht werden – stapelbar, sauber, MHD außen ablesbar.
Sommer-Hinweis: Schokolade verträgt keinen heißen Dachboden und kein aufgeheiztes Auto. Im Automaten selbst ist sie dank Kühlung sicher – der kritische Moment ist Transport und Lager.
Bevorratung: die Vier-Wochen-Logik
Wie viel Ware du vorhältst, ist eine Kapitalfrage – jeder Euro im Regal ist gebundenes Geld:
- 1
Erste Wochen: bewusst wenig kaufen. Du kennst deinen Standort noch nicht – kauf kleine Mengen, auch wenn der Stückpreis etwas höher ist. Lehrgeld im Kleinen ist billiger als eine Palette Ladenhüter.
- 2
Eingependelt: rund vier Wochen Vorrat. Genug, um Urlaub, Lieferlücken und eine Discounter-Aktion zu überbrücken – wenig genug, um flexibel zu bleiben.
- 3
Der Puffer im Gerät: Der PV1100 hat ein Lagerfach (rechte Seite) – ideal für die Nachfüllreserve der Renner direkt am Standort. Das spart dir Notfahrten wegen drei leerer Spiralen.
- 4
Einkaufsrhythmus: Zwei-Wochen- oder Monatsrhythmus mit Liste (aus den Verkaufsdaten) schlägt spontanes Nachkaufen – weniger Fahrten, bessere Preise, kein Chaos.
Das Wichtigste auf einen Blick
Eine MHD-Liste ab Tag eins (Produkt, Menge, EK, MHD) + FIFO beim Befüllen – das ganze System.
Kurz vor MHD: Rabattaktion. Abgelaufen verkaufen: niemals.
Lager = trockene, dunkle Ecke + Baumarktregal + Umverpackung; Schokolade vor Hitze schützen (Transport!).
Erst klein kaufen, dann vier Wochen Vorrat – und das Lagerfach im Automaten als Renner-Puffer nutzen.
Produkte, die ständig in die MHD-Rettung müssen, fliegen aus dem Sortiment.
Häufige Fragen
Wie viel Geld steckt „normal" im Warenlager?
Als Daumenwert beim eingependelten Einzelautomaten: ein Warenwert von grob einem Monats-Wareneinsatz – bei einem gut laufenden Gerät also einige hundert Euro. Deutlich mehr bindet unnötig Kapital, deutlich weniger produziert Notfahrten.
Was mache ich mit Ware, die trotz Rabatt nicht weggeht?
Konsequent raus damit: verschenken (Standortgeber-Team freut sich – Beziehungspflege!), privat verbrauchen, abschreiben. Und die Lehre in die Einkaufsliste eintragen, damit derselbe Fehlkauf nicht zweimal passiert.
Brauche ich für Lebensmittel-Lagerung eine Genehmigung?
Für verpackte, nicht kühlpflichtige Handelsware zu Hause in haushaltsüblichem Rahmen ist keine besondere Zulassung nötig – die Basis-Hygieneregeln gelten trotzdem. Details und wo die Grenzen liegen (z. B. bei kühlpflichtiger Frischware) behandelt das Recht-Modul.
Lohnen sich kühlpflichtige Frischeprodukte (Sandwiches, Milch)?
Für Einsteiger meist nicht: kurze MHDs, hohe Abschriften, strengeres Hygieneregime – die Frische-Rechnung ist ein Profi-Spiel mit eigener Logistik. Starte mit dem robusten Standardsortiment; Frische ist eine spätere Skalierungs-Option für bewiesene Standorte.