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Lektion 5 von 9ca. 5 Min. Lesezeit

Standortsuche konkret: Von null zur Shortlist

„Ich würde ja starten – ich finde nur keinen Standort." Der Satz fällt in fast jedem Erstgespräch. Dabei ist die Standortsuche kein Glücksspiel, sondern ein Prozess: breit sammeln, hart filtern, gezielt ansprechen. Diese Lektion baut dir diesen Prozess – am Ende hast du eine Longlist von rund 20 Kandidaten und eine Shortlist der 3 bis 5 besten.

Das Prinzip: Trichter statt Volltreffer

Einsteiger suchen oft den einen perfekten Standort – und geben nach zwei Absagen auf. Profis bauen einen Trichter:

  1. 1

    Longlist: ~20 Kandidaten grob sammeln (diese Lektion).

  2. 2

    Schreibtisch-Filter: mit dem 10-Fragen-Schnelltest und der Realitätsrechnung auf 5 bis 8 eindampfen.

  3. 3

    Shortlist: 3–5 Kandidaten vor Ort prüfen (Vor-Ort-Check) und ansprechen.

Warum 20? Weil die Ausbeute realistisch ist: Von 20 Kandidaten überleben etwa die Hälfte den Schreibtisch-Filter, von denen sagt wieder nur ein Teil zu – und am Ende willst du zwischen mehreren Zusagen wählen können, statt den erstbesten Deal zu nehmen. Wer nur einen Kandidaten hat, verhandelt aus Schwäche.

Quelle 1: Deine Alltagsrouten – der unterschätzte Startpunkt

Dein bester erster Suchraum ist der Radius um Zuhause, Arbeitsweg und regelmäßige Wege. Zwei Gründe:

  • Fahrzeit ist der stille Renditekiller. Jeder Befüll-Termin kostet dich Fahrt – ein Standort an der täglichen Route kostet fast nichts, einer 30 Minuten entfernt frisst real Geld und Motivation (die Rechnung dazu im Kosten-Modul).

  • Du kennst die Gegend. Du weißt, wo abends Licht brennt, wo Schichtbetriebe sitzen, wo der letzte Kiosk zugemacht hat.

Geh deine Woche im Kopf durch und notiere jeden Ort, an dem du selbst schon mal gedacht hast: „Hier gibt's nichts zu trinken/essen."

Quelle 2: Systematische Kartenarbeit

Setz dich 60 Minuten mit einer Karten-App hin und arbeite deinen Umkreis (als Faustregel: 15–20 Minuten Fahrzeit) systematisch ab:

  1. 1

    Gewerbegebiete durchgehen: Jedes Gewerbegebiet ist eine Ansammlung von Betrieben mit Belegschaft und meist ohne Nahversorgung. Notiere Betriebe ab geschätzt 30 Beschäftigten, besonders mit Schichtbetrieb (Produktion, Logistik, Pflege).

  2. 2

    Nahversorgungs-Lücken suchen: Wohngebiete, in denen der nächste Supermarkt weit weg ist. Kartentrick: Suche nach „Supermarkt" und schau, wo die Löcher in der Trefferkarte sind – dort wohnt deine Versorgungslücke.

  3. 3

    Anker-Orte abklappern: Fitnessstudios, Sportanlagen, Waschsalons, Autohäuser mit Wartebereich, Freibäder, Vereinsheime, Berufsschulen, Ärztehäuser – jeweils kurz prüfen: Publikum? Alternativen? 24/7-Potenzial?

  4. 4

    Bestehende Automaten kartieren: Wo stehen schon Automaten? Das zeigt dir besetzte Flächen – aber auch, dass die Gegend funktioniert. Ein schlecht gepflegter Bestandsautomat ist übrigens eine Chance: Standortgeber mit schlechten Erfahrungen sind offen für einen besseren Betreiber.

Ergebnis dieser Stunde: typischerweise 10 bis 15 Longlist-Einträge mit Adresse und Ein-Satz-Begründung.

Quelle 3: Dein Netzwerk – die Abkürzung mit der höchsten Trefferquote

Die besten Standorte werden nicht gefunden, sondern vermittelt. Aktiviere systematisch:

  • Arbeitgeber & Bekannte in Betrieben: „Gibt es bei euch was zu trinken/snacken für die Spät- und Nachtschicht?" – die direkteste Frage der gesamten Suche. Ein Bekannter im Betrieb ist ein warmer Einstieg zur Geschäftsführung.

  • Vereine: Sportvereine mit Trainingsbetrieb am Abend, Schützen-, Musik-, Kleingartenvereine – Vereinsheime sind unterversorgt, und du erreichst Entscheider (Vorstand) direkt am Tresen.

  • Selbstständige im Umfeld: Friseure, Werkstätten, Physiopraxen, Fahrschulen – jeder mit Wartebereich und Publikum ist ein Kandidat oder kennt einen.

  • Hausverwaltungen & Vermieter, falls du Zugang hast: Sie verwalten genau die Wohnanlagen und Gewerbeobjekte, die du suchst.

Sag dabei immer ehrlich, dass du ein kleines Automaten-Business aufbaust – die meisten Menschen helfen gern, wenn sie nicht „verkauft" werden (wie das Gespräch dann läuft: Lektion 1.6).

Quelle 4: Signale im Stadtbild lesen

Beim Rumfahren mit offenen Augen findest du Kandidaten, die auf keiner Karte stehen:

  • Geschlossene Kioske/Bäckereien: Die Nachfrage der Nachbarschaft ist nicht mit geschlossen worden – sie ist unversorgt.

  • Leuchtende Fenster nachts: Spätschichten, Fitnessstudios, Waschsalons – wer nachts Menschen anzieht, hat eine Versorgungslücke.

  • Baustellen mit langer Laufzeit: Bautrupps sind hungrige, gebundene Publikum-Cluster; Großbaustellen laufen Monate bis Jahre.

  • Wartesituationen: Überall, wo Menschen regelmäßig warten (Waschstraße, Prüfstelle, Ausländerbehörde, Bahnhofsvorplatz-Kiosk-Brache), entsteht Kauflaune.

Die Longlist führen – kurz und schmerzlos

Eine simple Tabelle reicht (Papier, Excel, Notiz-App):

SpalteInhalt
KandidatName/Adresse
TypBetrieb, 24/7-Spot, Wohnanlage … (Typen-Lektion)
PublikumWer und grob wie viele?
LückeWarum gibt es hier Bedarf ohne Alternative?
Fahrzeitvon Zuhause/Route in Minuten
Ansprechpartnerwer entscheidet (falls bekannt)?
StatusIdee → geprüft → angesprochen → Zusage/Absage

Vom Sammeln zum Filtern

Wenn die Longlist steht, filterst du am Schreibtisch – in dieser Reihenfolge, weil sie dir am meisten Zeit spart:

  1. 1

    K.-o.-Check: Strom denkbar? Eigentümer erreichbar? Fläche plausibel? (raus, was offensichtlich scheitert)

  2. 2

    Schnelltest: die 10 Fragen je Kandidat – fünf Minuten.

  3. 3

    Realitätsrechnung: die Bierdeckel-Rechnung mit konservativen Annahmen.

  4. 4

    Ranking: Sortiere nach erwarteten Verkäufen geteilt durch Aufwand (Fahrzeit, Miete, Umbau). Die Top 3–5 sind deine Shortlist.

Mit der Shortlist gehst du in die Ansprache – genau da macht die nächste Lektion weiter.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Standortsuche ist ein Trichter: ~20 Kandidaten sammeln → am Schreibtisch auf 5–8 filtern → 3–5 vor Ort prüfen und ansprechen.

  • Die vier Quellen: Alltagsrouten (Fahrzeit!), Kartenarbeit (Gewerbegebiete, Nahversorgungs-Löcher, Anker-Orte), Netzwerk (höchste Trefferquote) und Signale im Stadtbild.

  • Mehrere Zusagen sind das Ziel – wer nur einen Kandidaten hat, verhandelt aus Schwäche.

  • Longlist simpel führen (Tabelle mit Status), Sammelziel mit Termin setzen.

  • Nähe schlägt Glamour: Der gute Standort an deiner Route schlägt den besseren 30 Minuten entfernt.

Häufige Fragen

Wie weit weg darf ein Standort maximal sein?

Faustregel für den Start: 15–20 Minuten von Zuhause oder deiner täglichen Route. Jede Befüllfahrt kostet Zeit und Fahrtkosten, und in den ersten Wochen fährst du öfter als gedacht (Nachjustieren, Störungen, Neugier). Mit mehreren Automaten denkst du später in Routen – dazu das Skalierungs-Modul.

Soll ich Standort-Vermittlungsdienste oder Makler nutzen?

Für den Einstieg brauchst du sie nicht: Die vier Quellen dieser Lektion kosten nur Zeit und liefern bessere Standorte, weil du Umfeld und Wege selbst kennst. Vermittler nehmen Gebühren oder Provisionen, die deine Marge belasten – prüfe solche Angebote mit derselben Realitätsrechnung wie jeden anderen Kandidaten.

Alle guten Plätze scheinen schon besetzt – was jetzt?

Erstens täuscht das oft: Besetzte Plätze siehst du, unversorgte Lücken nicht – die Kartenarbeit (Supermarkt-Löcher, Gewerbegebiete) macht sie sichtbar. Zweitens sind schlecht betreute Bestandsautomaten eine echte Chance: Frag den Standortgeber, wie zufrieden er ist. Drittens entstehen laufend neue Situationen – Baustellen, Neueröffnungen, Kiosk-Schließungen.

Wie viele Absagen sind normal?

Mehr als die Hälfte der Ansprachen führt zu nichts – das ist der Normalfall, kein Alarmsignal. Genau deshalb startest du mit einer Longlist von 20 statt mit einem Herzenskandidaten. Wie du die Zusagequote durch gute Vorbereitung deutlich verbesserst, zeigt die nächste Lektion.