Der Vor-Ort-Check: Die komplette Standort-Checkliste
Am Schreibtisch hast du gefiltert und gerechnet – jetzt entscheidet der Ortstermin. Der Vor-Ort-Check hat zwei Aufgaben: die K.-o.-Punkte endgültig klären und die Annahmen deiner Rechnung überprüfen. Diese Lektion ist deine Checkliste zum Mitnehmen – Punkt für Punkt, mit den roten Flaggen, bei denen du besser weiterziehst.
Bevor du hinfährst
Nimm mit: Zollstock oder Maßband, Smartphone (Fotos, Netz-Test), deine Realitätsrechnung zum Abgleich – und idealerweise den Termin mit dem Entscheider direkt im Anschluss (Ansprache-Leitfaden): Erst prüfen, dann pitchen, in einem Besuch.
Die Maße deines Geräts gehören in dein Notizbuch. Beim PulseVend1100: 196 cm hoch, 116 cm breit, 87 cm tief, rund 330 kg – plus Türöffnungsradius nach vorn und Belüftungs- und Wandabstände.
Block 1: Die K.-o.-Punkte (ohne die geht nichts)
Strom
Steckdose in Gerätenähe (Schuko, 230 V) – keine Mehrfachstecker-Ketten, kein Verlängerungskabel quer durch den Flur.
Eigener Stromkreis bzw. ausreichende Absicherung: Frag, was noch auf der Leitung hängt. Ein Automat mit Kühlung verträgt sich schlecht mit Wasserkocher + Mikrowelle auf derselben Sicherung.
Wer zahlt den Strom? Antwort für die Vereinbarung notieren.
🚩 Rote Flagge: „Strom legen wir dann irgendwann" – ohne konkreten Termin und Zuständigkeit ist das ein Nein auf Raten.
Fläche, Weg und Untergrund
Stellfläche ausmessen – Gerätemaß plus Türöffnung plus Belüftungsabstand, hinten Abstand zur Wand (bei Außenaufstellung mit Wetterschutzdach: mindestens 20 cm).
Einbringweg komplett abgehen: jede Tür, jeden Flur, jede Kurve, Stufen und Schwellen, Aufzugmaße. 330 kg rollen nicht um enge Ecken. Miss die schmalste Stelle – nicht die breiteste.
Untergrund: eben, tragfähig, kein weicher Belag, draußen frostsicher befestigt. Gefälle? Dann wird Ausrichten über die Füße nötig.
Anlieferung: Wo hält der LKW? Frei Bordsteinkante heißt: Ab da bist du bzw. der Aufstellservice zuständig – Rampe, Pflaster, Kies bedenken.
🚩 Rote Flagge: Kellerräume, Zwischenetagen ohne Aufzug, Türbreiten unter Gerätemaß – „das kriegen wir schon irgendwie rein" endet teuer.
Aufstellrecht
Wem gehört die Fläche wirklich? Mieter dürfen oft nicht allein entscheiden (Vermieter, WEG, Zentrale). Kläre, wessen Unterschrift zählt.
Bei öffentlichem Grund oder Außenflächen: Sondernutzung/Baurecht ansprechen, bevor du planst.
🚩 Rote Flagge: „Das entscheide ich einfach so" von jemandem, der erkennbar nicht der Eigentümer ist.
Block 2: Betriebsfähigkeit (macht den Alltag teuer oder billig)
Netzempfang
Mobilfunk am Aufstellpunkt testen – nicht am Eingang, sondern exakt dort, wo das Gerät stehen soll: Das Kartenterminal braucht stabiles Netz. Stahlbeton, Keller und Metallregale sind Empfangskiller.
Bei schwachem Netz: Gibt es einen besseren Punkt zwei Meter weiter? Externe Antennenlösungen sind möglich, aber Aufwand – lieber gleich gut stellen.
🚩 Rote Flagge: Kein Balken am Aufstellpunkt. Ohne Netz keine Kartenzahlung – und Kartenzahlung ist heute der halbe Umsatz.
Sichtbarkeit und Laufweg (Abgleich mit deiner Rechnung)
Steh am geplanten Punkt und beobachte 15 Minuten: Laufen die Menschen wirklich hier vorbei? Stimmt dein Sichtbarkeitsfaktor aus der Realitätsrechnung, oder war er Wunschdenken?
Blickkontakt von der Haupt-Laufrichtung? Beleuchtung am Abend? Platz für ein Hinweisschild?
Service-Logistik
Parken für dich: Wo stehst du beim Befüllen, wie weit trägst du Kisten? 50 Meter Fußweg mit Getränkekisten, zweimal die Woche – rechne das ehrlich.
Zugang zu deinen Zeiten: Kommst du zum Befüllen rein, wann es dir passt (Schlüssel, Code, Öffnungszeiten)? Regelung notieren.
Müll und Reinigung: Darfst du Kartonagen vor Ort entsorgen? Gibt es Wasser in der Nähe fürs Reinigen?
Sicherheit
Einsehbarkeit, Beleuchtung, soziale Kontrolle am Abend – oder dunkle Nische? (Diebstahlschutz-Grundlagen)
Bei Außen- und 24/7-Standorten: Verankerung möglich (Untergrund!), Versicherungs-Anforderungen erfüllbar (viele Versicherer verlangen Verankerung und Beleuchtung)?
Vandalismus-Spuren im Umfeld? Beschmierte Wände und kaputte Scheiben ringsum sind eine Ansage.
Block 3: Umfeld-Abgleich (10 Minuten zu Fuß)
Alternativen ablaufen: Geh die 300–500 Meter Umkreis wirklich ab. Welche Läden, Kioske, Tankstellen, Automaten gibt es – und welche Öffnungszeiten stehen an deren Türen? Fotografiere die Aushänge; das ist deine Wettbewerbs-Dokumentation.
Nachfragebringer zählen: Betriebe, Schulen, Haltestellen, Sportanlagen in Sichtweite – deckt sich das mit deiner Schreibtisch-Recherche?
Bedarfsmomente erspüren: Bist du zur richtigen Zeit da? Komm im Zweifel ein zweites Mal zur vermuteten Spitzenzeit (Schichtwechsel, Feierabend, Wochenende).
Die Foto-Dokumentation
Mach bei jedem Ortstermin dieselben sechs Fotos – sie sind Gedächtnis, Planungsgrundlage und später Beleg:
- 1
Aufstellpunkt frontal (mit etwas Umgebung),
- 2
Aufstellpunkt aus der Haupt-Laufrichtung der Kunden,
- 3
Steckdose/Stromanschluss,
- 4
der engste Punkt des Einbringwegs (mit Maßband im Bild),
- 5
Blick vom Automatenpunkt nach draußen/in den Raum (Sichtachse),
- 6
Umfeld-Panorama (Nachfragebringer, Alternativen).
Nach dem Termin: Entscheidungsnotiz
Direkt im Auto, solange alles frisch ist – drei Zeilen:
Ergebnis: [gehen wir an / offen wegen X / raus] · K.-o.-Punkte: alle grün? · Rechnungs-Abgleich: Sichtbarkeit/Frequenz wie angenommen? · Offene Fragen für die Vereinbarung: Strom, Zugang, Platzwahl …
Diese Notizen entscheiden am Ende zwischen deinen Kandidaten – Lektion 1.9 führt sie zusammen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Ortstermin klärt K.-o.-Punkte (Strom, Fläche/Einbringweg, Aufstellrecht) und prüft deine Rechnungs-Annahmen (Sichtbarkeit, Frequenz, Alternativen).
Netzempfang am exakten Aufstellpunkt testen – ohne Netz keine Kartenzahlung.
Service-Logistik ehrlich bewerten: Parken, Zugang, Trageweg – das ist dein künftiger Alltag.
Sechs Standard-Fotos und eine Drei-Zeilen-Notiz pro Termin – Dokumentation schlägt Erinnerung.
Rote Flaggen ernst nehmen: vage Strom-Versprechen, unklares Aufstellrecht, Kellerwege, tote Funklöcher.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein guter Vor-Ort-Check?
30 bis 45 Minuten plus der Umfeld-Rundgang. Mit Ansprache des Standortgebers im selben Termin: gut eine Stunde. Das klingt viel für einen Kandidaten – aber es sind die wichtigsten Stunden deiner Investitionsentscheidung.
Muss ich für die Besichtigung schon einen Termin mit dem Entscheider haben?
Ideal ist die Kombination: erst allein prüfen (Umfeld, außen, Netz), dann das vereinbarte Gespräch samt gemeinsamer Platzbesichtigung. Bei öffentlich zugänglichen Standorten kannst du den kompletten Außen-Check auch ohne Termin machen und erst mit fertigen Fakten anklopfen – das macht deinen Pitch stärker.
Was ist der am häufigsten übersehene Punkt?
Der Einbringweg – gefolgt vom Netzempfang. Beide fallen erst am Liefertag bzw. am ersten Verkaufstag auf, und dann sind sie teuer. Miss die schmalste Tür und teste das Netz am exakten Punkt; die zwei Handgriffe kosten drei Minuten.
Der Standortgeber will einen anderen Platz als ich – wer gewinnt?
Rechne es ihm freundlich vor: Der Automat im Laufweg verkauft ein Mehrfaches des versteckten – und davon profitiert auch er (zufriedene Nutzer, ggf. Beteiligung). Oft gibt es einen Kompromissplatz, der beides erfüllt. Wenn nicht, entscheide mit der Realitätsrechnung, ob der schlechtere Platz den Standort noch trägt – und mach den besseren Platz zur Bedingung in der Vereinbarung, falls er der Knackpunkt ist.