Verpackungsrecht & LUCID: Was Automatenbetreiber wirklich müssen
Registrierung, Lizenzierung, Kaffeebecher und Verpackungssteuer: welche Pflichten aus dem VerpackDG dich als Automatenbetreiber treffen – und welche nicht.
Zuletzt aktualisiert am 22. September 2026
Seit dem 12. August 2026 gilt das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) zusammen mit der EU-Verpackungsverordnung – es hat das alte Verpackungsgesetz abgelöst. Die gute Nachricht vorweg: Wer im Automaten fertig verpackte Ware aus der deutschen Lieferkette verkauft, muss sich weder registrieren noch Verpackungen lizenzieren. Pflichten entstehen erst, wenn du selbst Verpackungen in Deutschland in Umlauf bringst – etwa mit Kaffeebechern, Importen oder einer Eigenmarke. Dieser Artikel zeigt, welcher Fall auf dich zutrifft.
Die Grundregel: Pflichten hat der Hersteller
Registrieren und Verpackungen lizenzieren muss nur, wer verpackungsrechtlich Hersteller ist – vereinfacht: wer eine Verpackung als Erster in Deutschland bereitstellt (§ 6 VerpackDG). Entscheidend ist deine Rolle je Verpackung, nicht die Zahl deiner Automaten und nicht deine Unternehmensgröße. Ein Betreiber kann also für seine Snacks gar keine Verpackungspflichten haben und für seine Kaffeebecher sehr wohl.
Welcher Fall trifft auf dich zu?
| Was du verkaufst | Registrierung und Lizenzierung | Was du tun musst |
|---|---|---|
| Fertig verpackte Ware aus der deutschen Lieferkette (Snacks, Dosen, Flaschen vom Großhandel oder Hersteller) | nein | sorgfältig einkaufen (Fall 1) |
| Getränke, die der Automat erst in einen Einwegbecher füllt (z. B. Kaffee) | hängt von den Bechern ab | Becher-Herkunft prüfen, Mehrweg-Alternative anbieten (Fall 2) |
| Ware, die du selbst im Ausland einkaufst, oder eine Eigenmarke | ja | vor dem ersten Verkauf registrieren und lizenzieren (Fall 3) |
Fall 1: Fertig verpackte Ware aus Deutschland
Kaufst du original verpackte Ware bei deutschen Großhändlern oder Herstellern, hat der Hersteller die Verpackung bereits registriert und lizenziert. Du bist für diese Verpackungen nicht Hersteller – keine Registrierung, keine Lizenzierung, keine Mengenmeldung. Das gilt auch mit vielen Automaten.
Eine Pflicht bleibt: sorgfältig einkaufen. Ware, deren Hersteller nicht registriert ist, darfst du nicht verkaufen – dieses Vertriebsverbot trifft auch dich als Händler. Wer bei etablierten deutschen Großhändlern kauft, ist hier auf der sicheren Seite. Bei unbekannten Quellen kannst du im öffentlichen Register der Zentralen Stelle nachsehen, ob der Hersteller eingetragen ist.
Fall 2: Getränke in Einwegbechern (z. B. Kaffeeautomat)
Füllt dein Automat Getränke erst beim Verkauf in einen Becher, ist der Becher eine sogenannte Serviceverpackung. Wer dafür verantwortlich ist, hat sich mit dem VerpackDG geändert:
Neutrale Becher von einem Lieferanten in Deutschland: Der Lieferant ist Hersteller und kümmert sich um Registrierung und Lizenzierung. Für dich entstehen daraus keine Registrierungspflichten.
Becher mit deinem Namen, Logo oder deiner Marke: Du bist selbst Hersteller – egal, ob der Lieferant im In- oder Ausland sitzt. Dann musst du dich vor dem ersten Verkauf registrieren und die Becher lizenzieren. Ausnahme: Bist du ein Kleinstunternehmen (weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. Euro Jahresumsatz oder Bilanzsumme) und sitzt der Lieferant in Deutschland, bleibt die Verantwortung beim Lieferanten.
Becher, die du selbst im Ausland bestellst: Du bist Hersteller (siehe Fall 3).
Die frühere Praxis, einfach „vorlizenzierte Serviceverpackungen" zu kaufen und damit die Pflichten an den Lieferanten abzugeben, gibt es seit August 2026 nur noch in wenigen Sonderfällen (§ 7 Abs. 2 VerpackDG).
Zusätzlich gilt die Mehrweg-Pflicht. Wer Getränke erst beim Verkauf in Einwegbecher füllt, muss sie auch in wiederverwendbaren Behältnissen anbieten (§ 60 VerpackDG). Am Automaten ist das vereinfacht: Es genügt, wenn Kundinnen und Kunden ihren eigenen Mehrwegbecher befüllen lassen können – darauf musst du mit einem gut sichtbaren Schild hinweisen (§ 61 Abs. 2 und 4 VerpackDG). Ein Schild allein erfüllt die Pflicht nicht, wenn der Automat zwingend einen Einwegbecher auswirft; prüfe deshalb vor der Aufstellung, ob dein Kaffeeautomat mitgebrachte Becher befüllen kann. Ausgenommen sind Automaten, die nicht öffentlich zugänglich in einem Betrieb zur Versorgung der Belegschaft stehen.
Fall 3: Import und Eigenmarke
Kaufst du verpackte Ware selbst im Ausland ein – egal ob in der EU oder außerhalb – und bringst sie nach Deutschland, bist du für diese Verpackungen Hersteller. Dasselbe gilt für Produkte unter deiner Eigenmarke. Dann musst du dich vor dem ersten Verkauf registrieren und die Verpackungen bei einem dualen System lizenzieren. Bei pfandpflichtigen Getränkedosen und Einwegflaschen kommt statt des dualen Systems das Pfandsystem zum Zug: Die Verpackungen müssen gekennzeichnet und in das bundesweite Pfandsystem eingebunden sein (siehe Pfandpflicht).
Entscheidend ist, wer die Ware nach Deutschland bringt – nicht, ob ein bestimmtes Logo fehlt. Für kleine Betreiber lohnt der Direktimport deshalb selten: Die Pflichten kosten mehr, als der günstigere Einkauf spart.
Was ist LUCID – und was ein duales System?
LUCID ist das öffentliche Register der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister. Wer Hersteller ist, registriert sich dort kostenlos, bevor er Verpackungen in Verkehr bringt, und meldet danach einmal im Jahr seine Mengen. Die Registrierung erfolgt online unter www.verpackungsregister.org.
Ein duales System übernimmt gegen Gebühr die Sammlung und Verwertung der Verpackungen, die ein Hersteller in Umlauf bringt – eine Art Entsorgungsdienstleister. Registrierte Anbieter sind unter anderem Interseroh+, Reclay, Zentek, Landbell und Veolia. Viele bieten eine einfache Online-Lizenzierung ab wenigen Euro im Jahr.
Nicht verwechseln: kommunale Verpackungssteuer
Unabhängig vom VerpackDG erheben einzelne Städte eine eigene Verpackungssteuer nach Tübinger Vorbild. Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Modell bestätigt (Beschluss vom 27. November 2024); seitdem prüfen oder planen weitere Kommunen eine solche Satzung. Sie zielt auf Einwegverpackungen für den sofortigen Verzehr. Die Tübinger Auslegungshinweise ordnen Automatenware so ein:
steuerpflichtig: Kaffee, Tee, Kakao und andere zum Verzehr erhitzte oder gekühlte Getränke in nicht fest verschlossenen Einwegbechern sowie warme Speisen – in Tübingen 0,50 Euro je Becher bzw. Verpackung
nicht steuerpflichtig: fest verpackte, haltbare Snacks wie Schokoriegel oder Chips sowie Getränke in fest verschlossenen Dosen
ausgenommen: Verpackungen, die der Pfandpflicht unterliegen
Andere Städte regeln das in ihrer eigenen Satzung, und die kann abweichen. Prüfe deshalb bei jedem neuen Standort, ob die Kommune eine Verpackungssteuer erhebt oder plant, und frag im Zweifel direkt bei der Stadtverwaltung nach. Der Branchenverband BDV setzt sich dafür ein, Automaten in geschlossenen, nicht-öffentlichen Räumen auszunehmen – verlass dich aber nicht darauf.
Welche Rolle spielt Pulse Vending?
Pulse Vending liefert die Automaten und die technische Verkaufsinfrastruktur.
Die Auswahl der Produkte und Becher triffst du als Betreiber.
Für die Verpackungen deiner Produkte ist Pulse Vending nicht Hersteller.
Die Pflichten aus dem Verpackungsrecht liegen deshalb bei dir als Betreiber des Automaten.
Eine Registrierung oder Lizenzierung in deinem Namen übernimmt Pulse Vending nicht.
Häufige Fragen
Muss ich mich als Automatenbetreiber bei LUCID registrieren?
Nur, wenn du für eine Verpackung Hersteller bist – etwa bei Kaffeebechern mit deinem Logo, bei selbst importierter Ware oder bei einer Eigenmarke. Wer ausschließlich fertig verpackte Ware aus der deutschen Lieferkette weiterverkauft, muss sich nicht registrieren, auch nicht mit vielen Automaten.
Gibt es eine Mindestmenge, ab der die Pflichten gelten?
Nein. Bist du Hersteller, gelten Registrierung und Lizenzierung ab der ersten Verpackung – auch im Nebengewerbe mit einem einzigen Automaten. Wer nicht Hersteller ist, hat diese Pflichten dagegen gar nicht.
Was ändert sich durch das VerpackDG für mich?
Für den Weiterverkauf fertig verpackter Ware praktisch nichts. Spürbar ändert sich die Lage bei Serviceverpackungen wie Kaffeebechern: Wer Becher mit eigenem Logo nutzt, kann seine Pflichten nicht mehr einfach über „vorlizenzierte" Becher an den Lieferanten abgeben.
Was kostet die Registrierung?
Die Registrierung bei LUCID ist kostenlos. Kosten entstehen nur, wenn du als Hersteller Verpackungen bei einem dualen System lizenzieren musst – bei vielen Anbietern ab wenigen Euro im Jahr.
Übernimmt Pulse Vending die Registrierung für mich?
Nein. Pulse Vending liefert die Verkaufsinfrastruktur, ist aber nicht Hersteller der Verpackungen deiner Produkte. Registrierung, Lizenzierung und Mengenmeldung liegen – wenn sie dich betreffen – in deiner Verantwortung.
Muss ich zusätzlich eine Verpackungssteuer zahlen?
Nur, wenn dein Standort in einer Kommune mit Verpackungssteuersatzung liegt und dein Sortiment darunterfällt. Betroffen sind vor allem Getränke in offenen Einwegbechern; fest verpackte Snacks und Pfandverpackungen sind nach dem Tübinger Modell nicht erfasst.